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2000 Ingolstadt |
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Presseausschnitte
W.U.
Sander, SonntagsPost / Ingolstadt (4. Juni 2000)
Ekstatische Gospelklänge
Schweizer Chor zu Gast in Ingolstadt /Publikum war begeistert
In dem asketisch-strengen Gewölbe der gotischen Bettelordensbasilika in Ingolstadt leuchteten am Freitag abend Lichtorgeln und erklangen mitreissende, bisweilen ekstatische Gospelklänge, dynamisch breit variierende Soul-Soli und tosender Applaus.
Der sein Publikum so sehr begeisternde Gospelchor kam ferner nicht aus Übersee, sondern aus dem Schweizer Oberwallis, am Fusse des Matterhorns. Es sollte nicht lange dauern, bis jedem Anwesenden klar wurde, dass die mitreissende Interpretation der Gospelmusik keineswegs an das afro-amerikanische Milieu gebunden ist. Das bewiesen exemplarisch die Mitglieder des Chores „Gospel-Joy“. Zunächst gaben drei Sänger ein Alpenhorn-Konzert auf dem Vorplatz der Basilika. Danach sang der Chor, begleitet von Klavier, E-Bass und Schlagzeug, traditionelle Gospel Songs, aber auch Popsong von Brian Adams, U2 und John Lennon sowie Melodien aus den Filmen „Sister Act“ und „Blues Brothers 2000“. Wohltuend gedämpft blieb dabei die Lautstärke von Bass und den sanft mit Drahtbesen geschlagenen Drums, so dass der spirituelle Charakter der Gesänge nicht beeinträchtigt wurde.
Chorleiter Fredy Mangisch dirigierte den Chor und spielte zwischendurch Klavier. Aus der Verlegenheit, einerseits einen aus mehreren Dutzend Sängern und Sängerinnen bestehenden Chor zu leiten, andererseits dem Faktum, dass mehrstimmig gesungene Gospelsongs mit ihrer eigenwilligen Akzentsetzung eigentlich nicht zu leiten sind, hat er einen unkonventionellen und ersichtlich erfolgreichen Dirigierstil entwickelt. Das Ergebnis ist eine begeisternde und lebendige Vorführung der heterophonen Gospellieder. Dynamische Traditionals wie das „Lord Help Me TO Hold Out“ wurden in dem originären, ansteckenden Rhythmus afro-amerikanischer Spirituals gesungen. Und auch die ruhigeren Lieder, wie das flehende „The Lord Is My Sheperd“ entbehrten den Rhythmus nicht und fielen niemals auch bei den dunkleren Seiten des afrikanischen Lebensgefühls, in die traurige Grundstimmung des sekularen Blues. Nicht zuletzt im spannungsreichen Zusammenspiel von solistischem Anruf und chorischer Antwort entfaltete „Gospel-Joy“ in seinen Interpretationen den Geist hoffnungsvoller Gläubigkeit der traditionellen Gospelsongs.
Das Timbre und die Klangfärbung der Solodarbietungen variierten in beeindruckendem Masse: einfühlsame Glissandi im Solo von Brian Adams „All For Love“, ausdrucksstark, fast schon ekstatisch schreiend im Song „Sweet Low, Sweet Chariot“, und, bei Bob Dylans „Blowin In The Wind“, mit plötzlichen dynamischen Umschwüngen innerhalb eines Solos. Bei einer weiteren Dylan-Komposition, „Knockin On Heavens Door“, breitete sich in der Basilika die Stimmung amerikanischer Negro-Gottesdienste aus: Die Zuhörer wurden mit drei Stimmen in den Song mit eingezogen und machten nach anfänglichem Zögern enthusiastisch mit.
War das Publikum bis anhin schon begeistert, so geriet es jetzt fast ausser Rand und Band. Mit frenetischem Applaus und trommelnden Füssen wurden der Chor zum letzten Song „Jon The Relevator“ aus „Blues Brothers“ getragen und später zu mehreren Zugaben, darunter das heitere „Oh Happy Day“, aufgefordert. Dieser Song gibt exakt die Stimmung wieder, die das schöne Konzert mit seiner rhythmischen Vitalität und optimistischer Spiritualität erzeugte.
Wilhelm-Ulrich Sander SonntagsPost (4. Juni 2000)